Lotsenberatung beim Anlegen eines Großtankers in Wilhemshaven

Obwohl jeder Lotse nach eigener Verantwortung als Freiberufler tätig ist, haben Sie sich zur Organisation und Verwaltung eines ständig verfügbaren Lotsdienstes regional zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss als Körperschaft des öffentlichen Rechtes wird "Lotsenbrüderschaft" genannt. Im Rahmen der Selbstverwaltungsaufgaben wählen die Lotsen einen "Primus inter Pares" den sogenannten Ältermann, der die Interessen seiner Kollegen gegenüber Politik, maritimer Wirtschaft und Schifffahrtsverwaltung vertritt. Unterschieden wird in einigen Regionen zwischen Hafen- und Seelotsen. Dies hat seine Ursache in der unterschiedlichen Zuständigkeit für die Seeschifffahrtsstraßen in Deutschland (unter Aufsicht des Bundes) und für die regionalen Häfen (unter Aufsicht der jeweiligen Kommune). In den meisten Fällen üben die Seelotsen in der Fortsetzung ihrer Tätigkeit auch die Funktion des Hafenlotsen aus. Nur im Bereich des Hamburger Hafens und in Bremerhaven gibt es eigenständige Hafenlotsen-Brüderschaften, die nicht dem Seelotsgesetz, sondern kommunalen Verordnungen unterliegen. Zu der regionalen Aufteilung der See- und Hafenlotsenbrüderschaften erfahren Sie hier mehr.

Die wichtigste Anforderung, die von den Aufsichtsbehörden im Rahmen des Seelotsgesetzes an die Brüderschaften gestellt wird, ist die schon vorher genannte "ständige Verfügbarkeit". Das heißt: Die Lotsen müssen sicherstellen, dass jedes Schiff innerhalb der in der Lotsverordnung vorgeschriebenen Zeit einen Lotsen erhält! Diese Anforderung wird im Zuge des derzeitigen Nachwuchsmangels immer mehr zur größten Herausforderung. Dies ist nur möglich durch eine große Selbstdisziplin innerhalb der dafür geschaffenen "Reihenbört". Dieses System lässt sich mit der Arbeitsweise an einem Taxistand vergleichen: Wer als Lotse ganz vorne steht, bekommt das nächste zu lotsende Schiff. Wenn er seinen Dienst an Bord beendet hat, stellt er sich hinten wieder an und rückt immer weiter nach vorne, bis er erneut an der Reihe ist. Egal, wie viele Schiffe einen Lotsen innerhalb kürzester Zeit bestellt haben, müssen diese ohne Verzögerung bedient werden. Ebenso wie ein Taxifahrer nicht weiß, wann der nächste Kunde in seinen Wagen steigt, können die Lotsen niemals planen, wie lange die Bereitschaftszeit zwischen zwei Einsätzen dauert. Die ständige Abrufbarkeit an 365 Tagen im Jahr zu jeder Tages- oder Nachtzeit erfordert ein hohes Maß an Flexibilität von den Lotsen und ihren Familien. Deutschland ist eines der wenigen Länder weltweit, in denen die Lotsen in den letzten 20 Jahren keine Wartezeiten für Schiffe verursacht haben!

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